Wozu DHCP?
Damit ein Gerät im Netz mitspielen kann, braucht es mindestens eine IP-Adresse und eine
Subnetzmaske, für fremde Netze ein Gateway und für Namen wie portpanda.de einen
DNS-Server. Bei drei Rechnern lässt sich das von Hand eintragen. Bei dreihundert Rechnern,
Notebooks, die zwischen Räumen wechseln, und Handys im Gäste-WLAN geht das nicht mehr, und jeder
Tippfehler führt zu doppelten Adressen.
Das Dynamic Host Configuration Protocol nimmt diese Arbeit ab. Ein DHCP-Server hat einen Pool freier Adressen und verleiht sie für eine bestimmte Zeit, die Lease. Mit der Adresse bekommt der Client gleich alles andere mit, was er braucht.
Der Ablauf: DORA
Der Client hat am Anfang noch keine Adresse und weiß nicht, wo der Server steht. Deshalb beginnt alles mit einem Broadcast. Die vier Schritte merkt man sich mit dem Wort DORA:
| Schritt | Wer sendet | Was passiert |
|---|---|---|
| Discover | Client | Broadcast an alle: „Gibt es hier einen DHCP-Server?“ Absender ist 0.0.0.0, Ziel 255.255.255.255. |
| Offer | Server | Ein Angebot: eine freie Adresse aus dem Pool, dazu Maske, Gateway, DNS-Server und Lease-Dauer. |
| Request | Client | „Ich nehme das Angebot von diesem Server.“ Wieder als Broadcast, damit andere Server ihr Angebot zurückziehen. |
| Acknowledge | Server | Die Bestätigung. Ab jetzt gilt die Lease, und der Client richtet die Adresse ein. |
DHCP läuft über UDP: Der Server lauscht auf Port 67, der Client auf Port 68.
Pool, Lease und feste Adressen
Der Pool ist ein Bereich im Netz, zum Beispiel 192.168.0.50 bis 192.168.0.99. Adressen davor und dahinter bleiben frei für Geräte, die immer dieselbe Adresse brauchen: Router, Server, Drucker. Die Adresse des DHCP-Servers selbst darf nie im Pool liegen, sonst vergibt er sie womöglich an einen Client.
Eine Lease läuft ab. Der Client verlängert sie deshalb rechtzeitig, normalerweise nach der Hälfte
der Zeit. Geht ein Gerät vom Netz, wird seine Adresse nach Ablauf wieder frei. Unter Windows gibt
ipconfig /release die Adresse sofort zurück, ipconfig /renew fordert eine
neue an.
Gateway und DNS kommen gleich mit
Eine Adresse allein reicht selten. Fehlt im DHCP-Server das Gateway, erreichen die Clients nur ihr
eigenes Netz. Fehlt der DNS-Server, klappt ping 192.168.0.1, aber kein Name. Viele
Störungen „Internet geht nicht“ sind in Wahrheit eine unvollständige DHCP-Einstellung. Mit
ipconfig /all sieht man auf einen Blick, was der Client bekommen hat.
DHCP über Netzgrenzen: das Relay
Router leiten Broadcasts nicht weiter. Das Discover eines Clients bleibt also in seinem Netz oder
VLAN hängen. Damit trotzdem ein einziger Server für alle Netze reicht, nimmt der Router den
Broadcast als DHCP-Relay an (bei Cisco ip helper-address) und schickt
ihn als Unicast an den Server. Dabei trägt er seine eigene Adresse im Netz des Clients ein. Daran
erkennt der Server, aus welchem Bereich er eine Adresse vergeben muss.
Discover, Offer, Request, Acknowledge. Mit der Adresse kommen Maske, Gateway und DNS-Server. Über Router hinweg hilft das Relay.
Selbst ausprobieren
Im Beispiel „DHCP-Server“ hängen ein DHCP-Server (192.168.0.1), PC-1 und PC-2 an Switch SW-1. Die beiden PCs stehen auf DHCP und haben noch keine Adresse.
- Öffne das Beispiel mit dem Knopf „Im Simulator öffnen“. Ein Konto brauchst du nicht.
- Klick den DHCP-Server an und öffne den Reiter „DHCP“. Der Pool reicht von 192.168.0.50 bis 192.168.0.99, als Gateway ist 192.168.0.1 eingetragen.
- Klick PC-1 an und wähle im Reiter „Adapter“ „Neu beziehen“. Auf dem Plan läuft der Austausch, und PC-1 bekommt eine Adresse aus dem Pool.
-
Öffne bei PC-2 den Reiter „Terminal“ und gib
ipconfig /renewein. Danach zeigtipconfig /allAdresse, Gateway und den DHCP-Server, von dem die Lease stammt. - Im Reiter „Mitschnitt“ findest du die vier DORA-Pakete. Achte beim Discover auf die Zieladresse 255.255.255.255.
-
Im Pool steht noch kein DNS-Server. Trag beim DHCP-Server einen ein, hole bei einem PC die
Adresse neu und prüfe mit
ipconfig /all, ob er ihn übernommen hat.
Weiter mit dem Relay
Das Beispiel „DHCP-Relay (ein Server, 3 Netze)“ zeigt eine Firma mit drei VLANs: Büro (10), Verkauf (20) und Server (30). Der DHCP-Server steht mit 192.168.30.2 im Server-Netz, der Router leitet die Anfragen aus Büro und Verkauf an ihn weiter. Hol bei PC-Büro eine Adresse: Er bekommt eine aus 192.168.10.0/24 mit dem Gateway 192.168.10.1. Schaltest du am Router im Reiter „DHCP“ das DHCP-Relay aus, bekommt PC-Büro keine Adresse mehr und weicht auf eine 169.254er-Adresse aus.
Wofür du das brauchst
DHCP gehört zu Lernfeld 3 („Clients in Netzwerke einbinden“), das Relay über mehrere Netze und VLANs zu Lernfeld 9 („Netzwerke und Dienste bereitstellen“). Der DORA-Ablauf und die Frage, welche Angaben ein Client per DHCP bekommt, sind beliebte Prüfungsaufgaben in der AP1 und für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Systemintegration auch in der AP2.